Zusammenfassung
Hintergrund Die meisten Studien zur Rehabilitation von
Gesichtsfelddefiziten nach Schlaganfall oder Schädel-Hirn-Trauma
wurden bislang erst durchgeführt, wenn die Spontanremission
keine Auswirkungen mehr auf die Trainingseffekte hatte.
Untersucht werden sollte nun, ob größere Gesichtsfelderweiterungen
erzielt werden, wenn schon sehr frühzeitig nach der
Läsion mit dem Training begonnen wird.
Material und Methoden Die Trainingsergebnisse der visuellen
Restorationstherapie von 26 Patienten, die innerhalb
der ersten 12 Monate nach der Läsion mit der Behandlung
begonnen hatten, wurden retrospektiv mit einer altersparallelisierten
gleich großen Stichprobe, bei der die Läsion
älter als ein Jahr war, verglichen.
Ergebnis Die Frühreha-Gruppe verbesserte sich
um rund 8% in der Computerkampimetrie und um 1015%
am konventionellen Automatikperimeter. Die Spätreha-Gruppe
zeigte hingegen eine Verbesserung von 13,5% in der Kampimetrie
und 20% am Perimeter.
Schlussfolgerungen Entgegen unserer Annahmen profitiert
die Spätreha-Gruppe tendenziell mehr als die Frühreha-Gruppe,
allerdings zeigten sich keine signifikanten Gruppenunterschiede.
Als Erklärung werden stärkere Konzentrationsdefizite
kurz nach der Hirnläsion diskutiert, die das Training
möglicherweise erschweren.
Autoren: Muller I., Sabel B.A. & Kasten E.
Veröffentlicht von: Der Nervenarzt 77(6): 694-701.
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