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Magdeburg, 06.03.2009.
Die systematische Stimulation der Gesichtsfeldgrenze bei
Patienten mit neurologisch bedingter Teilblindheit kann
noch Jahre nach Auftreten der Erkrankung die visuelle
Leistungsfähigkeit verbessern. Unklar blieb jedoch, bei
welchen Patienten die Erfolgschancen für restitutive
Verfahren besonders hoch sind. Vor diesem Hintergrund
wurde in einer Studie nun geprüft, welche Einflussgrößen
den Therapieerfolg bedingen und welche visuellen und
kognitiven Funktionen durch VRT im Einzelnen verbessert
werden können.
(Boston / Magdeburg)
– Wissenschaftler des
Center for Innovative Visual Rehabilitation in Boston,
der medizinischen Fakultät in Magdeburg
und des Universitätsklinikums Lübeck
konnten nachweisen, bei welchen Patienten die
Erfolgsaussicht auf eine Vergrößerung des Gesichtsfeldes
und eine funktionelle Verbesserung ihrer Sehleistungen
am höchsten ist. Die Studie wurde Ende 2008 in der
Fachzeitschrift Restorative Neurology and
Neuroscience veröffentlicht.
In der
Studie wurden Faktoren bestimmt, mit denen sich
vorhersagen lässt, welche Patienten von dem Sehtraining
profitieren. Neunzehn Patienten mit durch Läsionen der
Sehbahn verursachten neurovisuellen Störungsbildern wie
Gesichtsfelddefekten und Reaktionsverlangsamungen
absolvierten die sechsmonatige Visuelle
RestitutionsTherapie. Vor und nach der Behandlung wurden
die beteiligten Patienten umfangreichen Untersuchungen
unterzogen.
Es
zeigte sich, dass die Ausprägung von Residualzonen, also
der Bereich zwischen intaktem und defektem Gesichtsfeld,
in denen die visuelle Wahrnehmung noch teilweise
funktioniert, einen entscheidenden Vorhersagewert für
den erfolgreichen Einsatz der VRT hat. Die zu erwartende
Gesichtsfeldvergrößerung ist damit für den klinischen
Einsatz mit folgenden Variablen hinreichend definierbar:
das Alter des Patienten, vergangene Zeit seit der
Läsion, Anzahl der perimetrisch gemessenen Defekte, die
Entfernung der Gesichtsfeldgrenze vom Sehzentrum, Größe
der Zonen mit residualen Sehfunktionen sowie
durchschnittliche Reaktionszeit auf dargebotene Stimuli.
Die in der Studie ebenfalls ausgewerteten
Berichte der Patienten zeigen, dass die alltägliche
Lebensqualität der Patienten erheblich verbessert wurde.
„Diese
Studie ist ermutigend, da wir als Therapeuten mit diesen
Prädiktoren jetzt genaue Auskunft haben, bei welchen
Patienten wir die VRT mit großer Wahrscheinlichkeit auf
hohe Effektivität empfehlen können“ kommentiert der
Mitautor Prof. Dr. Erich Kasten. „Entscheidend bleibt
bei jedem einzelnen Patienten die fachlich fundierte
Diagnostik und Verlaufskontrolle. ärzte wie auch
betroffene Patienten sollten darauf achten, dass sie mit
anspruchsvollen Verfahren behandelt werden, die
wissenschaftlichen Kriterien genügen. Gerade im Bereich
Gesichtsfeld-Therapie ist der Markt inzwischen mit
Plagiaten übersät, die völlig unsystematische
Trainingsparameter beinhalten.“
Die VRT
ist eine von der FDA (amerikanische Gesundheitsbehörde)
zugelassene computergestützte Sehtherapie für Patienten
mit neurologisch bedingten Sehstörungen nach
Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma oder Hirntumor. Die
Patienten führen die Therapie täglich zu Hause für eine
Dauer von mindestens 6 Monaten durch. Die Aufgabe
besteht in der Erkennung und Bestätigung von Lichtreizen
(Stimuli), die zwischen dem intakten und defekten
Gesichtsfeld dem Patienten auf dem Monitor präsentiert
werden.
Jedes
Jahr erleiden in Deutschland mehr als 450.000 Menschen
einen Schlaganfall oder eine unfallbedingte
Schädel-Hirn-Verletzung, außerdem erkranken jährlich
rund 8.000 Menschen an einem Hirntumor. Bei etwa 20%
dieser Patienten kommt es zu neurologisch bedingten
Sehstörungen, die mit der VRT behandelt werden können.
Mehr
Informationen erhalten sie unter der Rufnummer
0391-6360050 beim Zentrum für Sehtherapie NovaVision
oder unter
www.novavision.de.
Quellen:
Poggel,
Mueller, Kasten, Sabel
Center for Innovative Visual Rehabilitation, Boston VA
Medical Center and Center for Biomedical Imaging, Boston
University School of Medicine, USA;
Otto-von-Guericke Universität Magdeburg;
Universitätsklinikum Lübeck
Multifactorial predictors and outcome variables of
vision restoration training in patients with post-geniculate
visual field loss
Restorative Neurology and Neuroscience, Vol. 26 (4,5),
321–341
(2008) |