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| Presseresonanz |
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| F.A.Z. | 16.03.2005, Nr. 63 / Seite N2 |
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| Wir zitieren: |
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| "Die Umgebung wieder als Ganzes sehen" |
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| "16. März 2005 Ein auf Hirnschäden beruhender Verlust des Sehvermögens läßt sich teilweise rückgängig machen. Das legen jedenfalls die Erkenntnisse von Wissenschaftlern um Bernhard Sabel vom Institut für Medizinische Psychologie der Universität Magdeburg nahe. Schädigungen des Gehirns, wie sie etwa infolge von Schlaganfällen, Hirnoperationen oder auch Kopfverletzungen auftreten, führen mitunter zu Ausfällen des Gesichtsfelds. |
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| Die Patienten nehmen dann nur noch Ausschnitte der vor ihren Augen erscheinenden Umwelt wahr, etwa lediglich eine Hälfte, einen kleinen Fleck in der Mitte oder nur einen äußeren Ring. Eine solche partielle Erblindung kann das tägliche Leben enorm beeinträchtigen. Viele Betroffene sind nicht mehr imstande, die Zeitung oder ein Buch zu lesen. Auch bereitet es den meisten von ihnen große Mühe, sich in ihrer Umgebung zu orientieren. Aus dem Grund übersehen sie leicht Hindernisse und laufen daher Gefahr, sich zu verletzen.
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| Spontane Rückbildungen |
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Ausfälle des Gesichtsfelds werden üblicherweise als schicksalhaft hingenommen, eine Behandlung somit gar nicht erst versucht. Denn seit langem hält sich hartnäckig das Gerücht, daß das Hirngewebe des Erwachsenen keine Regenerationsfähigkeit mehr besitzt. Haben die Nervenzellen ihre Funktion erst einmal eingebüßt, so die verbreitete Meinung, läßt sich hieran in aller Regel nichts mehr ändern. An der Richtigkeit dieser Vermutung sind allerdings schon vor geraumer Zeit Zweifel aufgekommen.
Stutzig gemacht hat einige Wissenschaftler die Beobachtung, daß sich auf einer Hirnschädigung beruhende Sehstörungen mitunter spontan zurückbilden. Diese und weitere Erkenntnisse brachten Sabel und seine Arbeitsgruppe auf den Gedanken, die Regenerationsfähigkeit des Sehzentrums im Gehirn genauer unter die Lupe zu nehmen. Das Ergebnis ihrer Bemühungen ist ein Verfahren, mit dem sich Ausfälle des Gesichtsfelds verringern lassen - die sogenannte "Visuelle Restitutionstherapie". Diese wird inzwischen von der Firma NovaVision in Deutschland und den Vereinigten Staaten angeboten.
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| Training am Computer |
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Das Verfahren besteht darin, geschädigte, aber noch nicht abgestorbene Sehnervenzellen immer wieder zu stimulieren und ihnen dadurch ihre Funktion zurückzugeben. Anhand starker Lichtreize, die auch von defekten Sinneszellen noch wahrgenommen werden können, ermittelt man zunächst, an welchen Stellen des Gesichtsfelds sich die angeschlagenen Sehnervenzellen genau befinden. Die Suche beschränkt sich dabei gewöhnlich auf die Randzone zwischen dem intakten und dem vollständig ausgefallenen Gesichtsfeld, da sich dort erfahrungsgemäß am ehesten überlebende Zellen finden lassen.
In einem weiteren Schritt werden die noch stimulierbaren Zellen systematisch aktiviert. Der Patient erhält hierzu eine speziell auf seine Bedürfnisse zugeschnittene Software für ein Training am Computer, das er sechs Monate lang zweimal täglich eine halbe Stunde lang vornehmen muß. Dabei kommt es darauf an, einen definierten Punkt auf dem Computerbildschirm zu fokussieren und zugleich aus den Augenwinkeln zu beobachten, was sich im übrigen Blickfeld ereignet. In der "Grauzone" zwischen dem blinden Fleck und dem intakten Gesichtsfeld erscheinen dann in Folge Hunderte von Lichtblitzen, auf die der Patient jeweils umgehend mit einem Tastendruck reagieren muß. Hiermit bestätigt er, daß er das Signal erkannt hat. Diese Information wird gespeichert und später zur Kontrolle der Ergebnisse ausgewertet. Damit der Patient die Augen nicht bewegt, ruht sein Kopf während des Sehtests in einer Kinnstütze. Das Umherschweifen des Blickes wird auch noch mit anderen Mitteln verhindert. Derartige Sicherheitsvorkehrungen sind insofern notwendig, als das Training nur Erfolg hat, wenn die Lichtreize die angepeilte Netzhautregion an der vorgesehenen Stelle treffen.
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| Mitunter bildet sich die Erblindung ganz zurück |
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Daß sich das mühevolle Training lohnt, legen die Ergebnisse mehrerer klinischer Studien der Magdeburger Arbeitsgruppe nahe. Wie daraus hervorgeht, nimmt das Sehvermögen bei rund zwei Drittel der Behandelten merklich zu; mitunter bildet sich die Erblindung auch ganz zurück. Für die Betroffenen bedeutet dies einen erheblichen Anstieg an Lebensqualität, zumal sie ihren Alltag wieder viel besser bewältigen können. Freilich sprechen nicht alle Patienten auf das Sehtraining an, wie Sabel einräumt. In rund einem Drittel der Fälle zeige das Verfahren keine große Wirkung. Weshalb die Sehtherapie mitunter versagt, läßt sich noch nicht erklären.
In ihrer jüngsten Studie sind die Magdeburger Wissenschaftler der Frage nachgegangen, ob eine Anwendung des Sehtrainings über zwölf Monate hinweg das Augenlicht noch weiter zu bessern vermag und welche Konsequenzen eine mehrjährige Trainingspause hat. Über die Ergebnisse ihrer Nachforschungen haben sie vor kurzem auf der Jahrestagung der Amerikanischen Schlaganfallgesellschaft in New Orleans berichtet. Demnach führte eine Verdoppelung der Behandlungszeit zu einer zusätzlichen, gleichwohl nicht mehr großen Verbesserung an Sehvermögen. Wie sich zudem ergab, hatte der Erfolg der visuellen Therapie auch langfristig Bestand. Eine Unterbrechung der Übungen von bis zu vier Jahren führte jedenfalls nicht zu einem Verlust des wiedergewonnenen Augenlichts.
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| Behandlungserfolge steigerbar
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| Mit einem weiteren Kniff läßt sich der Behandlungserfolg noch steigern. Dies gelingt, wenn der Betroffene während des Trainings seine ganze Aufmerksamkeit auf eine zuvor exakt definierte Stelle des Bildschirms richtet. Von dort ausgehende Lichtblitze führen dann zu einer noch nachhaltigeren Aktivierung der brachliegenden Sehnervenzellen. Hinweise auf einen solchen Zusammenhang liefern die Ergebnisse einer Studie des Magdeburger Teams, die unlängst in der Zeitschrift "Neurology" veröffentlicht worden sind (Bd.63, S.2069)..." |
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| Von Nicola von Lutterotti |
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