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Ärzte Zeitung | Sonderausgabe Medica aktuell (23. November 2001)
 
Atmungstherapie und Sehtraining lindern Symptome nach Schlaganfall
Neue Geräte und Hilfsmittel zur neurologischen Rehabilitation werden vorgestellt
 
DÜSSELDORF (eis). Mehrere hunderttausend Menschen bekommen jedes Jahr in Deutschland einen Schlaganfall, eine Schädel-Hirn-Verletzung oder einen Hirntumor. Die meisten Patienten brauchen dann wegen neurologischer Störungen eine Rehabilitation. Dazu werden auf der Medica in Düsseldorf viele Geräte und Hilfsmittel vorgestellt.

[...] Um Sehstörungen nach einem Schlaganfall zu bessern, hat das Unternehmen Nova Vision aus Magdeburg ein Computer-gestütztes Trainingsprogramm entwickelt. Nach genauer Diagnostik der Gesichtsfeldeinschränkung bekommen Patienten ein auf ihre Störungen zugeschnittenes Training. Sie müssen dabei auf einen Computer-Bildschirm schauen und nach Anleitung gezielt bestätigen, wenn sie auf einer bestimmten Stelle des Bildschirms einen Punkt gesehen haben.

Dabei werden gezielt geschädigte Neuronen des eingeschränkten Gesichtsfelds stimuliert und deren Funktion zum Teil wieder reaktiviert, wie Dr. Gereon Boos von dem Unternehmen im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" berichtet hat.
Die Patienten üben zweimal 30 Minuten täglich zu Hause am Computer. 95 Prozent der Betroffenen erreichten dabei einen Zugewinn an Sehfähigkeit, so das Unternehmen. Weitere Infos gibt es am Stand in der Ausstellung zur Tagung der Deutschen Gesellschaft für Neurologische Rehabilitation (CCD Süd).
 
 
Ärzte Zeitung | 19. Dezember 2001 (print + online)
 
Beschädigte Sehfeld-Neuronen werden wieder aktiv
Computerprogramme stimulieren durch Lichtreize gezielt überlebende Neuronen am Rand der geschädigten Sehrinde
 
DÜSSELDORF (eis). Patienten nach Schlaganfall, Hirnverletzungen oder Hirntumoren leiden häufig an Sehstörungen. Dabei kommt es durch Schäden in bestimmten Hirnarealen oder am Sehnerv zu Teilblindheit in bestimmten Bereichen des Gesichtsfeldes. Mit Hilfe eines speziellen Restitutionstrainings am Computerbildschirm können solche Störungen jetzt stark verringert werden.

Das Programm ist von Forschern der Universität Magdeburg entwickelt worden. Es wurde inzwischen klinisch evaluiert und wird von dem Unternehmen NovaVision auf dem Markt angeboten. Für das Training wird die Gesichtsfeldeinschränkung eines Patienten zunächst genau bestimmt. Dabei werden defekte Bereiche im zentralen 30°-Gesichtsfeld mit einem speziellen Diagnostik-Programm auf dem Computerbildschirm in einem Raster dargestellt. Die Patienten bekommen danach ein genau auf ihre Störungen zugeschnittenes Trainingsprogramm.

Bei den Übungen macht man sich die Neuroplastizität des Gehirns zunutze. Überlebende Neuronen in teilgeschädigten Übergangsbereichen des Sehfeldes werden systematisch mit Lichtreizen stimuliert. Die Patienten müssen dazu auf einen Computer-Bildschirm schauen und nach Anleitung bestätigen, wenn sie auf einer bestimmten Stelle des Bildschirms einen Punkt gesehen haben. Durch das für jeden Patienten einzeln programmierte Training werden gezielt geschädigte Neuronen des eingeschränkten Gesichtsfelds stimuliert, und die Funktion der Neuronen läßt sich zum Teil wieder reaktivieren, wie Dr. Gereon Boos von dem Unternehmen im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" berichtet hat.

So werden in Regionen mit Seh-Restfunktionen wieder Wahrnehmungen antrainiert. Die Patienten üben etwa ein halbes Jahr zweimal 30 Minuten täglich zu Hause am eigenen Computer. Fortschritte durch das Training sind für die Patienten in dem Raster sichtbar und motivieren zum Weitermachen. Die Ergebnisse werden regelmäßig per E-Mail oder Post an das Unternehmen nach Magdeburg gesendet und das Programm dann an die Fortschritte angepaßt.

Wie Boos sagt, haben inzwischen etwa 290 Patienten mit dem System trainiert. Bei 95 Prozent der Betroffenen sei dabei ein Zugewinn an Sehfähigkeit erzielt worden. Durch das verbesserten Sehen seien auch Schwindel und Kopfschmerzen reduziert worden. Zudem gebe es günstige Effekte auf Aufmerksamkeit, Konzentration und Reaktionsgeschwindigkeit.

Stichwort: Die Neuroplastizität des Sehsystems

Gesichtsfeldausfälle nach Hirnschäden wurden lange Zeit als irreversibel angesehen. Untersuchungen konnten aber durch wiederholte Gesichtsfeldmessungen an der Grenze zum blinden Bereich belegen, daß sich das Sehfeld allmählich wieder ausweitet. Wie ist das möglich? Es wird angenommen, daß es zwischen intakten und geschädigten Hirnarealen teilgeschädigte Übergangsbereiche gibt. Die Erregung dieser Neuronen reicht zunächst jedoch nicht aus, um Sinneseindrücke zu erzeugen. Durch gezielte Stimulation könnten sie aber reaktiviert werden. Oder intakte Neuronen könnten Informationen beschädigter Zellen mitverarbeiten und so ihre rezeptiven Felder in den blinden Bereich ausdehnen (Neuroplastizität).

 
 
Innovations-Report | 24. Oktober 2001 (Wissenschaftliche Berichte)
(www.innovations-report.com)
 
Ambulantes Setting in der Sehtherapie
Gesichtsfeldeinschränkungen (z. B. Hemianopsie, Skotome, Quadrantenanopsie) sind die häufigsten visuellen Wahrnehmungsstörungen infolge einer cerebralen Verursachung (z. B. Apoplex, Schädel-Hirn-Trauma, Tumor). Ein Großteil dieser Patienten kann jetzt mit einer weltweit einmaligen computergestützten Therapie am heimischen Computer ihre Sehkraft wieder erlangen.

Nachdem klinische Studien belegt haben, dass Sehrestfunktionen im Bereich zwischen intaktem und blindem Gesichtsfeld mittels Stimulation durch Lichtreize wieder aktiviert werden können, entwickelte NovaVision entsprechende Software-Programme. Diese Programme ermöglichen es Patienten, zu Hause am Computer rund sechs Monate, in der Regel eine Stunde täglich, ihre Sehrestfunktionen zu aktivieren. Eine Vergrößerung des Gesichtsfeldes ist die Folge.

Die Patienten werden während der gesamten Therapie vom NovaVision Team betreut. Von Fragen zur Therapie bis hin zu Tipps zum PC und zur Bedienung der Software - das NovaVision Team kümmert sich das halbe Jahr ganz individuell um jeden Patienten. Alle vier Wochen sendet der Trainierende die Ergebnisse seiner Übungseinheiten per Email oder Post an das Zentrum für Sehtherapie in Magdeburg. Dort werden die Ergebnisse ausgewertet und das Software-Programm speziell auf die Fortschritte des Trainierenden hin modifiziert. In der Regel erfolgt nach sechs Monaten eine Abschlußuntersuchung.

Das ambulante Setting der Sehtherapie erlaubt es den Patienten einen stationären Aufenthalt zu vermeiden und in der gewohnten Umgebung bereits durch das Training erworbene Fortschritte sofort in den Alltag zu übertragen.
 
 
Innovations-Report | 19. Oktober 2001 (Wissenschaftliche Berichte)
(www.innovations-report.com)
 
Telemedizin in der Sehtherapie
Mit dem Visuellen Restitutionstraining (VRT) der NovaVision AG in Magdeburg hält die Telemedizin und das Verfahren der Restitution Einzug in die Therapie von Gesichtsfelddefekten. Nachdem in klinischen Studien nachgewiesen werden konnte, dass Gesichtsfelddefekte nach Hirnschädigungen und N. opticus-Läsionen teilweise oder vollständig wiederherstellbar sind, indem Bereiche mit noch vorhandenem Residualsehen wiederholt durch Lichtreize stimuliert werden, wurde ein computergestütztes Training entwickelt. Die von NovaVision entwickelten Software-Programme ermöglichen den Patienten mittels des Visuellen Restitutionstrainings eine ambulante Rehabilitation.

Klinische Studien zeigen auf, dass sich die Gesichtsfeldgrenze durch ein VRT durchschnittlich um rund 6° (Range bis 20°) verschiebt, auch wenn mit dem Training erst Jahre nach der Verletzung begonnen wurde. Eine Katamnese zeigt, dass das verbesserte Sehen bei den meisten Patienten auch lange nach Beendigung des Trainings anhält. Das Gesichtsfeldtraining mit Lichtstimulation wird von Patienten rund sechs Monate, eine Stunde täglich, am heimischen PC-Monitor durchgeführt. Die Ergebnisse werden per Email oder per Post an das Zentrum für Sehtherapie zur Auswertung übersandt. Die individuelle Trainings-Software wird auf die jeweiligen Fortschritte der Patienten sukzessive abgestimmt.

Die Programme erlauben eine Vielzahl von Variationsmöglichkeiten hinsichtlich Größe und Leuchtdichte der Lichtreize, Helligkeit des Hintergrundes, Darbietungsdauer der Reize und Interstimulus-Intervall. Die Ergebnisse können abgespeichert und ausgedruckt werden.
 
 
occhi-e-piu | 26/10/2000
 
Nuova terapia per pazienti con degrado del campo visivo
L'Unione Europea assegna a NovaVision il Premio Innovazione

Il Prof. Bernhard Sabel, dirigente della società NovaVisioin AG e coideatore di una nuova terapia supportata da software, ha ottenuto il premio internazionale della confederazione degli Innovation Relay Centers (IRC) dell'Unione Europea. Sabel è inoltre direttore dell'istituto di psicologia medica dell'università Otto von Guericke di Magdeburg.

La NovaVision AG ha sviluppato e distribuisce un software chiamato "Training di recupero visivo" per il trattamento di pazienti che hanno subito una riduzione del campo visivo in seguito a lesioni del distretto cerebrale successive a trauma cranico o colpo apoplettico. Se condotto con costanza, l'allenamento al PC di casa consente a pazienti che hanno subito una perdita parziale della visione un limitato recupero del campo visivo grazie alla stimolazione delle restanti abilità visive.

Il Premio Innovazione dell'UE viene assegnato in primo luogo a giovani aziende ideatrici di soluzioni innovative neri settori della tecnologia informatica e della comunicazione. In occasione del concorso si incontrano annualmente aziende distributrici ed investitori, che qui si informano sulle ultime innovazioni del campo IT. Quest'anno il premio è stato consegnato a Firenze da Javier Hernandez-Ros, dirigente della sezione 'Directorat General' delle imprese economiche dell'Unione Europea.
 
 
ogen-en-meer | 26/10/2000
 
Nieuwe therapie voor patiënten met gezichtsveldverlies
NovaVision krijgt EU-innovatieprijs

Prof. Bernhard Sabel, chef van de firma NovaVision AG en mede-uitvinder van een op software gebaseerde gezichtstherapie heeft de internationale prijs van het verband van het Innovation Relay Centers (IRC) van de Europese Gemeenschap gekregen.

NovaVision AG ontwikkelt en verkoopt een software, de visuele restitutietraining, voor de behandeling van patiënten met gezichtsveldverlies door hersenletsel, bijv. door een beroerte of schedel-hersen-trauma. Door regelmatig thuis op de computer te oefenen kunnen de patiënten die gedeeltelijk blind zijn hun gezichtsveld door het trainen van het restvermogen weer gedeeltelijk herstellen.
De EU-innovatieprijs wordt vooral uitgereikt aan jonge ondernemingen die op het gebied van informatie en communicatie innovatieve oplossingen aanbieden. Dit jaar werd de prijs in Florence uitgereikt door Javier Hernandez-Ros, chef van de afdeling 'Directorat General' voor ondernemingen van de Europese Gemeenschap.
 
 
ojosymas | 26/10/2000
 
Nueva terapia de la visión para pacientes con pérdida de campos visuales
NovaVision recibe el premio a la Innovación de la Unión Europea

El catedrático Bernhard Sabel, jefe de la empresa NovaVision AG y co-descubridor de una terapia para la visión basada en un software, se ha hecho acreedor al premio internacional de la Sociedad para la Innovación del Relay Center (IRC) de la Unión Europea. Sabel es también Director en el Instituto para Fisiología Médica de la Universidad Otto von Guericke de Magdeburgo.
La sociedad anónima NovaVisión desarrolla y distribuye el programa Terapia para la restitución de la visión apropiado para el tratamiento de pacientes con pérdida de campos visuales producidos por daño cerebral, por ejemplo, debido a una apoplejía o a traumatismo encéfalo-craneano. Con ejercicios regulares en el ordenador de casa los pacientes que sufren de una ceguera parcial pueden restaurar en parte su campo visual entrenando la capacidad visual residual.

El premio a la innovación de la unión Europea premia sobre todo a aquellas empresas jóvenes que ofrecen soluciones en el campo de la tecnología de información y comunicación. Esta competencia es el punto de encuentro anual de oferentes de tecnología e inversionistas, en donde se informan sobre los nuevos desarrollos. El premio de este año fue otorgado en Florencia por Javier Hernandez-Ros, jefe de departamento de la Dirección General de la Sección Economía Empresarial de la Unión Europea.
 
 
Apotheken Umschau | Februar 2000
 
Licht aus, Computer an
Sehtraining nach Schlaganfall

Ärzte aus Magdeburg machen Menschen neuen Mut, die nach einem Schlaganfall Sehstörungen haben. Mit einem Sehtraining zu Hause läßt sich das eingeschränkte Gesichtsfeld erweitern.

Zweimal am Tag verdunkelt Hubert K. zu Hause sein Arbeitszimmer und setzt sich an seinen Computer. Bis auf etwas 30 Zentimeter geht er an den Bildschirm heran. Dann fixiert der 64-Jährige eine halbe Stunde lang stur einen Punkt. Lichtreizen, die sonst irgendwo auf dem Bildschirm auftauchen, darf er nicht hinterherschauen. Sobald er diese bemerkt, muss er eine Taste auf der Computertastatur drücken. In das tägliche Training steckt er große Hoffnung. Es soll Nervenzellen stimulieren, damit er wieder besser sehen kann.

Wie Hubert K. kämpfen viele Patienten nach einem Schlaganfall mit Sehstörungen. Etwa 20 bis 30 Prozent der Hirngeschädigten, schätzen Experten, sind davon betroffen. Lange galten diese Defekte als unbehandelbar. Neue Forschungsergebnisse haben jedoch gezeigt: Durch eine computergestützte Therapie lässt sich der Sehschaden verringern.

Am Zentrum für Sehtherapie in Magdeburg haben Wissenschaftler nun eine weltweite bislang einmalige Methode entwickelt. Erstmals wird dabei versucht, das Gesichtsfeld zu erweitern und nicht nur die Blickbewegung des Patienten zu trainieren.

Zusätzliche Vorteile des Magdeburger Modells: Die Methode spart Kosten. Mehrwöchige Aufenthalte in einer Reha-Klinik entfallen. Der Patient kann zu Hause üben. Es werden keine teuren Geräte benötigt. Ein Windows-tauglicher PC reicht. Oft sind schon nach 50 bis 70 Trainingsstunden erste Erfolge sichtbar.

Zunächst wird das Gesichtsfeld des Patienten exakt vermessen. Denn im Grenzbereich zwischen defekten und intakten Anteilen vermuten die Ärzte noch trainierbare Nervenzellen. Wenn das Gesichtsfeld wie ein Stadtplan kartiert ist, erarbeiten sie ein individuelles Übungsprogramm. Helle Lichtreize auf dem Bildschirm zielen immer wieder punktgenau in diese Übergangszone. So soll das Gehirn allmählich lernen, Sehinformationen aus dem Grenzbereich wieder aufmerksam wahrzunehmen. "Wir empfehlen im Allgemeinen zweimal täglich für eine halbe Stunde zu trainieren", sagt Dr. Jörg Blieffert, Geschäftsführer des Magdeburger Sehzentrums, "sonst werden die Augen zu sehr belastet."

Nach sechs Monaten zur Abschlussdiagnose

Nach jeder Sitzung speichert der Computer die Übungsergebnisse ab. Einmal im Monat schicken die Patienten die Diskette per Post nach Magdeburg. Dort wird sie ausgewertet. "So können wir feststellen, ob die Patienten Fortschritte gemacht haben", erzählt Blieffert. Sobald sich Verbesserungen einstellen, passen die Betreuer das Programm dem Leistungsstand an.

Noch ein Monat, dann fährt Hubert K. zur Abschlussdiagnose. Die Schatten in seinem rechten Gesichtsfeld sind kleiner geworden. "In der Regel erreichen wir Gesichtsfelderweiterungen von fünf bis zehn Sehwinkelgraden", sagt Dana Northe, die die Patienten im Sehzentrum betreut. Das klingt nach wenig, bedeutet für die Patienten aber einen enormen Fortschritt. Sie können zum Beispiel eine Zeitungsseite wieder ganz sehen.
 
 
Popular Mechanics | January 1999 (print + online)
 
VISION REVISION
German Researcher Says Lost Sight Can Be Restored

Like many people drawn to science, Bernhard A. Sabel was intrigued by a mystery. "When we get a cut on our skin, it heals and no one thinks anything of it. But people don't think the brain can repair itself." Sabel and his colleagues at the University of Magdeburg Medical School in Germany have disproved this conventional wisdom about the brain's limited recuperative ability in a stunningly dramatic way. "We were able to show for the first time that lost sight can be restored," he tells POPULAR MECHANICS. "The brain's visual system in adults is not as unchangeable as previously thought. It possesses tremendous potential for adapting to change."

Sabel, who is currently spending a year as a visiting research scientist at Princeton University, is a psychologist specializing in patients who have become partially blind following strokes or head injuries. Prevailing medical wisdom holds that once neurons-brain cells-die, the functions they control are lost. In the case of our most complex sense, even the most subtle damage can inflict a lifetime of blindness. Yet it is the very complexity of vision that is part of the reason why Sabel's treatment works.

How We See

Vision begins when light, which is a form of electromagnetic radiation, passes through the transparent dome in the front of the eye, the cornea, and is focused by the lens onto the retina at the back of the eye. The energy imparted by the light as it strikes the rod-and cone-shaped cells that line the retina stimulates the release of chemicals known as neurotransmitters. They stimulate the more than 1 million fibers that make up the optic nerve, which is a sort of information superhighway between the eyes and the brain.

Like traffic entering a city from an expressway, signals exiting the optic nerve eventually find their way into different neighborhoods, or vision-processing centers, within the brain. Working in concert, these processing centers convert the continually changing pattern of stimulation that moves over the optic nerve into the shapes, colors and movements we "see" around us. A stroke or blow to the head that cuts off the blood supply to cells in any part of the optic nerve or vision-processing areas can cause complete or partial blindness, represented here as the black bands seen in the photos on this page.

Sabel's treatment, which he developed with his colleagues Erich Kasten, Stefan Wust and Wolfgang Behrens-Baumann, has been demonstrated to be effective for those whose strokes or injuries have left them with a narrowed field of vision. For these individuals, the normal view of the world is replaced by a narrow field of vision that divides itself into three distinct areas. In areas where cells have escaped harm, vision remains normal. Where massive cell death has occurred in either the optic nerve or vision-processing areas there is simply insufficient sensory information for the brain to construct an image. Between these two areas is a "transition zone." Here, a sufficient number of cells have survived to provide some signals and some signal-processing ability, but the resulting view is too distorted to provide useful visual information.

Survivor Cells

The survivor cells in the transition zone are the key to vision-restoration, says Sabel. Using a computer-assisted examination, his team is able to determine the location and concentration of these hearty cells.

The survival of vision-processing cells had been suspected for decades. Researchers devised experiments that proved their existence. In these tests, sightless volunteers were asked to guess the shape or color of an object that was held before them but which they insisted they were unable to see. Their answers proved eerily accurate.

Using magnetic resonance imaging, which differentiates among soft tissues, and positron emission tomography, which measures a neuron's energy use, researchers soon realized that the blind often did have vestiges of the sort of neural activity associated with sight. This opened up an exciting possibility: If the machinery for "seeing" had not shut down entirely, perhaps it could be revived.

From experiments in which the optic nerves and vision-processing areas of rats were destroyed, scientists learned that as much as 70 percent of an animal's "normal vision" could be retained with as few as 10 percent of the cells in vision centers, says Sabel. The brains of the rats had somehow managed to "work around" the damage. From here it was a short intellectual leap to realize that the "miraculous" restorations of sight that from time to time had been reported in humans might represent a similar self-repair capability.

Practicing To See

Sabel's ability to explore the brain's recuperative powers-and later develop a vision-reclamation technique-was made possible by the personal computer. The PC's first use is to locate survivor cells and determine if there are enough of them to retrain. In this examination, patients focus on a fixation point, which appears as a star on a computer monitor. They are instructed to watch for the appearance of flashing white dots and respond by hitting a letter on the computer's keyboard. To help keep the subjects' eyes from wandering, researchers also tell them to hit the key when the star changes colors. Analyzing the hit count determines if there are sufficient "islands of residual vision" that can be expanded with follow-up treatment. "Usually, 10 percent or more of cell survival is sufficient for recovery," says Sabel.

The treatment is similar to the evaluation, and can be done at home. As in the test, the patient sits in front of the computer and strikes a key when he sees dots. Sabel says this repetitive activity strengthens the connections among the surviving neurons. He offers this analogy: "If you are practicing a difficult passage on the piano for a half-hour and just banging the keys you will not learn to play well. If, however, you concentrate on the same piece and play it over and over, you will learn to play it well."

To test whether this theory would work, and whether sight actually could be partially restored, Sabel's team chose 38 subjects from among 100 volunteers. They were divided into two groups. Both contained people who had damage to the optic nerve and to higher vision-processing areas. The control group sat before computer screens and saw randomly firing dots. For the therapy group a computer program monitored how often the patients correctly responded and slowly moved the blinking dots further and further into the transition zone. Over time, the size of the transition zone enlarged, and vision within it became clearer. After six months, vision tests recorded improvement for 95 percent of the patients in the therapy group. On average, patients who had lost major portions of their field of vision were able to regain an average of 5 degrees of the field. Sabel describes this as being the equivalent of an area the size of a half-page of PM held at arm's length. Subjects with optic nerve damage improved the most. And a few of the participants even regained their ability to read.

"Vision can, in fact, be restored to a significant degree," says Sabel. "We were able to show for the first time that lost sight can be restored in man. Partial blindness is not as irreversible as generally believed."

Jim Wilson
 
 
Focus | 28. Dezember 1998, Nr. 53
 
Heilende Blitze ins Gehirn
Mit einem Sehtraining am Computer lernen Patienten nach Schlaganfall oder Hirnverletzungen wieder sehen

Gebannt fixiert Thorsten Becker* den schwarzen Monitor. Im Sekundentakt leuchten kleine Lichtblitze auf dem Bildschirm auf. Die meisten dieser Lichtimpulse sieht der 57jährige nicht, denn seit einem Schlaganfall vor einem Jahr hat sich ein undurchsichtiger Vorhang über große Teile seines Augenlichts gelegt. Eine Besserung erschien nach allen bisherigen medizinischen Kenntnissen aussichtslos. Doch nun gibt ihm ein neu entwickeltes Computertraining Hoffnung auf Heilung seiner Teilerblindung.

"Bei 95 Prozent unserer Trainingspatienten hat sich das Sehen objektiv verbessert", berichtet Bernhard Sabel, Direktor des Instituts für Medizinische Psychologie der Uni Magdeburg. An mehr als 60 Sehgestörten mit Ausfällen im Gesichtsfeld konnte seine Arbeitsgruppe nachweisen, daß die ständige Aktivierung der noch intakten Reste des Sehvermögens langfristig die Blindheit reduzieren kann. Erste Untersuchungsergebnisse hat Sabel vor wenigen Wochen im angesehenen Fachblatt "natur medicine" veröffentlicht.

"Zehn bis 20 Prozent an Sehresten reichen aus, um das Sehvermögen durch gezieltes Gehirntraining beträchtlich zu verbessern", erklärt Sabel. Dies sei weltweit der erste Beweis für die Heilbarkeit von Teilerblindungen nach Hirnschäden.

Gestörte Kommunikation im Gehirn: Jahr für Jahr müssen in Deutschland mehr als 100 000 Schädel-Hirn-Verletzte und rund 155 000 Schlaganfallpatienten wie Thorsten Becker mit schweren Sehstörungen oder teilweiser Erblindung rechnen. Dazu kommt es, wenn die neuronalen Signalübertragung zwischen der Netzhaut und der Gehirnrinde durch Verletzungen oder Blutungen unterbrochen ist.

Das Prinzip der heilenden Blitze: Während der Patient den Mittelpunkt des Bildschirms fixiert, gelangen viele der Lichtsignale über den Sehnerv direkt an jene Teile des Gehirns, die seit dem Schlaganfall oder Unfall ausgefallen sind. Dort stimulieren sie die optische Wahrnehmung vor allem im Übergangsbereich zwischen geschädigten und gesunden Gehirnzellen.

"Der Trick dabei ist, mit speziellen Untersuchungen des Gesichtsfelds (Perimetrie) die Sehreste beim einzelnen zu entdecken", erläutert Erich Kasten, Leiter der Arbeitsgruppe Klinische Neuropsychologie in Magdeburg. Dazu muß der Patient per Knopfdruck an den Computer rückmelden, welche Lichtimpulse er registriert hat. Sind so die Grenzbereiche zwischen blinden und intakten Zellen gefunden, setzt das Computerprogramm speziell in diesem Gebiet zahlreiche Lichtreize. "Diese lenken die Aufmerksamkeit des Gehirns auf diese defekten, aber reparaturfähigen Areale", erläutert Sabel. Durch wiederholtes Reizen erreicht man einen Lerneffekt: Das geschädigte Gehirngewebe regeneriert sich und übernimmt seine ursprüngliche Funktion - Sehen wird wieder möglich.

"Individuelle Computerprogramme kann der Patient auf jedem handelsüblichen PC laden und dadurch auch zu Hause trainieren", erläutert Erich Kasten. "Zukünftig planen wir, die Auswertung der Trainingsprogramme online auszutauschen", so der Magdeburger Psychologe.

Geduldsprobe: Den optimalen Effekt erzielen die Patienten allerdings erst, wenn sie über ein Jahr hinweg täglich eine Stunde lang am Computer üben. Für die meisten der bislang von den Magdeburger Psychologen behandelten Patienten hat sich diese Disziplin gelohnt. Sie gewannen längst verlorengeglaubte Lebensfreude zurück, lesen heute Zeitung, fahren selbst Auto und führen wieder ein normales Leben.

Verena Hildebrand
 
 
University HealthSystem Consortium (USA)
November/December 1998
 
Computer Training Shown to Restore Vision in Partial Blindness
Researchers at Princeton University and the Otto-v.-Guericke University of Magdeburg (Germany) have, for the first time, been able to reduce blindness substantially by means of repetitive stimulation of the visual field. In brain injury due to stroke or trauma, patients typically lose sight in one half of the visual field only. The research group tested their proposal that training reactivates surviving neurons in the partially damaged border region, or transition zone - the residual islands of vision that exist in some patients with injury to the visual cortex.

Transition zones are usually located between the intact and damaged area of the visual field. Survival of as few as 10 % to 15 % of neurons may be sufficient to recover basic visual functions. It is conjectured that activation of the residual neurons by repetitive visual stimulation strengthens synaptic connections, thereby improving visual function in blind or impaired areas of the visual field.

The visual restitution training conducted in this trail was accomplished through the use of a computer program that presented visual stimuli on the screen. A majority of the stimuli appeared in the transition zone and near the border between the transition zone and the defective part of the field. When a patient reached 90 % accuracy, the next level of difficulty was presented.

Patients practiced at home in a darkened room for one hour a day, six days a week, for six months. Monitoring of compliance and progress was facilitated by a component of the program that captured performance data on disk. Hundreds of stimuli were presented daily. Control patients were given a fixation training program that required eye movements in response to stimuli near the foveal region for the same amount of time. Two independent trials were conducted, each with its own control group: patients with optic nerve (n = 19) or post-chiasmatic (n = 19) brain injury. (A chiasma is the crossing of two tracts, such as tendons or nerves.) Results are summarized in the table.

Improvements in visual field size were achieved by both categories of patients, with patients who had optic nerve damage receiving the most benefit. Among the 30 patients who completed a posttrial questionnaire, 72,2 % of the patients who received vision restitution training reported subjective improvement, compared with only 16,6 % of controls (p < 0.003).
 
 
AgeVenture (the voice of Aging America) | October 14, 1998 (www.demko.com)
 
Computer Improves Sight in Stroke Victims
A new, specialized regimen of computer therapy can restore some vision lost due to brain injuries caused by stroke or trauma, says Princeton Professor Bernhard A. Sabel. Until now, this type of vision loss has been considered untreatable. In Sabel's experiment, adult patients who had suffered a stroke or brain trauma and lost major portions of their field of vision were able to regain an average of 5 degrees of the field, which is the equivalent of a half-page of a standard magazine held at arm's length.
On average, patients improved their vision between 30 and 70 percent above baseline; some patients who had lost their ability to read regained it. Members of a control group did not achieve similar results. "We were able to show for the first time that lost sight can be restored in man, thus offering new hope for the many patients who are afflicted each year by partial blindness," Sabel said. Thus, he said, the brain's visual system in adults is not as unchangeable as previously thought, but instead possesses tremendous potential for "neuroplasticity," a term that describes the brain's ability to adapt to change.

According to Sabel, the use of a computer as a therapeutic tool to treat blindness is also significant. "It is non-invasive, and it has no side effects," he said. Also, because the test subjects can do the computer therapy at home, it is cost-effective and compliance is extremely high -- of 38 patients, evenly divided into therapy and control groups, only one member of the control group dropped out of study. The computer in the experiment targeted the "transition zone" in each test subject's vision field, which is located between the field with intact vision and the area where vision was completely lost. In this area of partial vision are cells that have survived the injury. These "islands of residual vision" allow patients to see some stimuli, while others go unseen.

Getting patients to focus on this transition zone offers the best hope of restoring the vision field, Sabel said, because the repetitive activation of the surviving cells strengthens their synaptic connections. Sabel explained that when vision loss occurs after a brain injury, many cells are destroyed but some number of the hardiest cells survive. These "survivor cells," as he calls them, offer the potential for restored vision. With proper stimulation, these cells undergo dramatic change. "I've always been interested in how the brain repairs itself," said Sabel. "When we get a cut on our skin and it heals, no one thinks anything of it. But people don't think the brain can repair itself, yet it does."
 
 
Princeton Weekly Bulletin | September 28, 1998
 
Computer therapy restores sight
A specialized regimen of computer therapy can restore some vision loss due to brain injuries caused by stroke or trauma, according to visiting Research Scientist Bernhard Sabel, who is spending a year in the Department of Psychology. Until now, this type of vision loss has been considered untreatable.

Sabel and colleagues conducted an experiment at the University of Magdeburg Medical School in Germany, in which adult patients who had suffered a stroke or brain trauma and lost major portions of their field of vision were able to regain an average of five degrees of the field. (This is the equivalent of half a page of a standard magazine held at arm's length.) On average, patients improved their vision between 30 and 70 percent above baseline, and some patients who had lost their ability to read regained it. Members of a control group did not achieve similar results.

"We were able to show for the first time that lost sight can be restored in humans, thus offering new hope for the many patients who are afflicted each year by partial blindness," Sabel said. Thus, the brain's visual system in adults is not as unchangeable as previously thought, but instead possesses potential for "neuroplasticity," the ability to adapt to change.

According to Sabel, the use of a computer as a therapeutic tool to treat blindness is also significant. "It is noninvasive, and it has no side effects," he said. Because the test subjects can do the computer therapy at home, it is cost-effective and compliance is extremely high: of 38 therapy and control group patients, only one (a member of the control group) dropped out of the study.

Brain plasticity
"I've always been interested in how the brain repairs itself," said Sabel, who received his PhD from Clark University and was a postdoctoral fellow at Massachusetts Institute of Technology. "When we get a cut on our skin and it heals, no one thinks anything of it. But people don't think the brain can repair itself, yet it does."

When vision loss occurs after a brain injury, many cells are destroyed, but some number of the hardiest cells survive, Sabel explained. These "survivor cells" offer the potential for restored vision. With proper stimulation, these cells undergo dramatic change.

Experiments with animals have shown that up to 70 percent of normal vision can be achieved with only 10 percent of the cells, according to Sabel. The key is to provide focused stimulation. "If you're practicing a difficult passage on the piano for a half-hour by just banging he keys, you will not learn to play well. If, however, you concentrate on the same piece and play it over and over, you will learn to play it well."

In Sabel's experiment, the computer targeted the "transition zone" in each test subject's vision field, which is located between the field with intact vision and the area where vision was completely lost. In this area of partial vision are cells that have survived the injury. These "islands of residual vision" allow patients to see some stimuli, while others go unseen. Getting patients to focus on this transition zone offers the best hope of restoring the vision field, Sabel said, because the repetitive activation of the surviving cells strengthens their synaptic connections.

Experiment design

The 38 patients in the restitution therapy and the control groups were assessed to identify their transition zones. They were then given instructions in their respective training regimens. Patients in the therapy group were required to focus on a fixation point on their computer screens and then asked to hit a computer key when they saw stimuli, which appeared as white dots on the computer screen. To ensure their continued focus on the fixed point, test subjects also had to hit a key when the fixed point changed colors. Patients in the control group, by contrast, were asked to respond to stimuli only in one irrelevant location on the screen.

Both groups contained some test subjects who had suffered damage to the optic nerve, which connects the retina to the brain, as well as those with injury in higher cortical areas. These postchiasmatic injuries involve vision loss in both eyes and are considered more serious.

By monitoring how often the patients receiving the restitution training correctly hit the keyboard after viewing stimuli, researchers could periodically adjust the regimen for each patient, pushing the stimuli farther and farther out into the patient's blind area. Thus, the transition zones for these patients increased or moved over time, continually enlarging their visual fields.

Vision improved after only a few weeks of computer training. After six months, vision tests recorded improvements for 95 percent of the patients in the restitution therapy group, with 78 percent of the subjects stating that they had noticed a change themselves. Patients who had experienced optic nerve damage benefited from the training more than those with postchiasmatic injury. In the control group, only a few of the optic nerve patients recovered any of their visual field, and none with postchiasmatic injuries saw improvement. Only 16 percent of the control subjects reported improved vision.

Although it is suspected that an individual patient's results will vary depending on the nature of the injury, "We are not yet able to predict who profits the most" from the therapy, Sabel said. "But the findings clearly show that partial blindness is not as irreversible as generally believed. Vision can, in fact, be restored to a significant degree."

The article by Erich Kasten, Stefan Wuest, Wolfgang Behrens-Baumann and Sabel appeared September 1 in Nature medicine.

Mary Caffrey
 
 
Frankfurter Allgemeine Zeitung | 23. September 1998
 
Sehtraining hilfreich bei Teilerblindung
Patienten, die nach einem Hirnschaden teilweise erblindet sind, können von einem neuartigen Sehtraining profitieren. Dies ist das Ergebnis zweier Studien an der Universitätsklinik Magdeburg. Mit dem Verfahren, das eine Arbeitsgruppe um Erich Kasten und Bernhard Sabel vom Institut für Medizinische Psychologie entwickelt hat, läßt sich die verbliebene Sehfähigkeit steigern. Es wurde mittlerweile an rund 60 Patienten erprobt, bei denen die Sehnerven oder die hinter der Sehnervenkreuzung im Gehirn verlaufenden Bahnen beeinträchtigt waren.

Als erstes wird das Gesichtsfeld vermessen. Die Forscher fertigen dann eine Karte an, die den Umfang der Ausfälle sowie die Lage der Übergangszonen spiegelt. Diese Daten bilden die Grundlage für ein maßgeschneidertes Trainingsprogramm. Mit Hilfe eines Bildschirms versuchen die Patienten, die Grenzen des eingeschränkten Sehfeldes allmählich zu erweitern. Bei richtigen Lösungen wird das Schwierigkeitsniveau gesteigert, bei falschen gesenkt. Nach 150 Stunden, verteilt auf sechs Monate, war in 95 Prozent der Fälle eine Besserung zu verzeichnen. Das Sehfeld hatte sich in dieser Zeit um 4,9 bis 5,8 Winkelgrade erweitert ("Nature Medicine", Bd, 4, S. 1005 und 1083). Nach Angaben der Wissenschaftler handelt es sich um den ersten Nachweis weltweit, daß eine durch Hirnverletzung verursachte Teilerblindung verbessert werden kann.
 
 
UNI Report | September 1998
 
Computer hilft sehen lernen
Sehstörungen nach Hirnläsionen behandelbar

Am Institut für Medizinische Psychologie ist es einer Arbeitsgruppe gelungen, Computerprogramme zu entwickeln, mit denen Patienten visuelle Störungen, etwa nach einem Schädelhirntrauma oder Schlaganfall unter Anleitung mit Erfolg zu Hause behandeln können.

Jedes Jahr werden rund 300 000 Schädel-Hirn-Verletzte und 200 000 Patienten mit Hirngefäßerkrankungen, beispielsweise nach einem Schlaganfall, in deutschen Krankenhäusern medizinisch betreut. Mindestens bei der Hälfte von ihnen ist von bleibenden Dauerfolgen, wie Lähmungen, Sprachschwierigkeiten, Gedächtnisproblemen und Seh- oder Hörstörungen auszugehen. Noch bis 1980 galt die Ansicht, daß Sehstörungen nach einer Hirnläsion unheilbar sind. Inzwischen gibt es jedoch eine Reihe von Forschungsergebnissen, die zeigen, daß eine Besserung durch eine spezifische Behandlung möglich ist.

Die Magdeburger Arbeitsgruppe unter der Leitung von Dr. Erich Kasten entwickelt und validiert seit nunmehr fünf Jahren computergestützte Diagnose- und Therapieverfahren für Patienten mit Hirnschädigungen. "Zentrales Thema ist die Wiederherstellung ausgefallener Sehleistungen", informiert Institutsdirektor Prof. Dr. Bernhard Sabel, Ph.D. In Zusammenarbeit mit der Universitätsaugenklinik haben die Neurowissenschaftler vor kurzem zwei klinische Studien zu diesem Thema erfolgreich abgeschlossen. Deren Ergebnisse werden in der September-Ausgabe von Nature Medicine veröffentlicht. (Nature Medicine, Vol. 4, Ausgabe vom 1.September 1998)

Signifikante Besserung

Für jeden hirngeschädigten Patienten wird ein individuelles Computer-Trainingsprogramm entwickelt. Ausgangspunkt ist die Ausmessung des Gesichtsfeldes. Auf einer grafischen Karte, die zur Erarbeitung der Trainingsprogramme notwendig ist, wird der Umfang der Ausfälle von Teilen des Gesichtsfeldes (Skotome) und die Lage der für die Therapie wichtigen Übergangszonen dokumentiert. Bislang wurden in Magdeburg ca. 60 Patienten behandelt und dabei signifikante Besserungen des Sehvermögens festgestellt. Die Programme werden so geschrieben, daß sie sich genau auf das Niveau des Benutzers einstellen. Bei richtigen Lösungen wird das Schwierigkeitsniveau immer höher, bei Fehlern wird es wieder leichter.

Bernhard Sabel: "Diese Erkenntnisse unterstreichen die enorme Reparaturfähigkeit des menschlichen Gehirns und schaffen neue Hoffnung für Patienten mit Sehschädigungen."

Kornelia Suske
 
 
Magdeburger Volksstimme | 5. September 1998
 
Menschen lernen am Computer wieder Sehen
Mediziner aus Magdeburg haben Therapie gegen eine besondere Form von Sehstörungen entwickelt

Manche Menschen ecken einfach überall an. Nicht immer läßt sich das auf deren Schusseligkeit schieben. Wer öfter blaue Flecken bekommt, weil er Türrahmen oder Tischkanten einfach übersieht, sollte vielleicht einmal sein Sehvermögen von einem Augenarzt untersuchen lassen. Es könnte sein, daß er unter einer sogenannten cerebralen Sehstörung leidet.

Magdeburg. Vor zehn Jahren verunglückte Holger M. mit dem Auto und zog sich dabei schwere Kopfverletzungen zu. Zwar besserte sich sein Zustand nach einiger Zeit im Krankenhaus, doch seither konnte der Mann die Dinge um ihn herum nur noch lückenhaft wahrnehmen. Wollte er zum Beispiel wissen, ob seine Tasse genau vor ihm auf dem Tisch stand, mußte er den Kopf etwas zur Seite drehen. Dann wurde sie für ihn sichtbar. Holger M. lernte mit diesem Handicap zu leben, denn die Arzte konnten ihm damals nicht helfen.

Mittlerweile haben Hirnforscher des Universitätsklinikums Magdeburg beachtliche Fortschritte erzielt. Dank eines von ihnen entwickelten Trainingsprogramms konnten sie dem Mann und vielen anderen Bürgern mit ähnlichen Sehschwächen helfen. Mit einer Veröffentlichung der Forschungsergebnisse in der September-Ausgabe des renommierten internationalen Wissenschaftsmagazins Nature Medicine ist jetzt auch offiziell der Beweis erbracht, daß eine Therapie der sogenannten cerebralen Sehstörungen für fast alle Patienten von Vorteil ist.

"Wir hatten in unsere Studie 38 Patienten einbezogen, die Schäden am Sehnerv oder am Sehzentrum im Gehirn haben", sagt Dr. Erich Kasten vom Institut für Medizinische Psychologie der Uni Magdeburg. Die Hauptursachen dieser neurologischen Sehschäden sind Schlaganfälle, Unfälle und Tumoren. In den vergangenen Jahren stellte sich heraus, daß die vielen Milliarden Nervenzellen im Gehirn Ausfälle durch Schädigungen teilweise kompensieren können. Es kommt nur darauf an, die Reserven des Gehirns optimal auszuschöpfen. Das gelang den Magdeburger Wissenschaftlern mit Hilfe eines von ihnen entwickelten Computerprogramms. Die Patienten sitzen vor einem Bildschirm und konzentrieren sich auf flüchtig auftauchende Bildmuster, deren Wahrnehmung sie mit Knopfdruck quittieren müssen. Zuerst können sie in einigen Teilen des Bildschirms die Muster nicht wahrnehmen. Doch durch wiederholte Heizung an den gerade noch sichtbaren Randbereichen erweitert sich langsam das Blickfeld der Patienten.

95 Prozent der in die Studie einbezogenen Patienten zeigten Verbesserungen, sagt Institutsleiter Prof. Bernhard Säbel. Allerdings erfordert das Training viel Geduld. Deutliche Erfolge stellen sich erst nach über 100 Übungsstunden ein. Von Vorteil für die Patienten ist, daß sie nicht für jede Trainingsstunde täglich in die Klinik müssen. Das Computerprogramm kann zu Hause auf einem einfachen PC installiert werden. Etwa einmal im Monat notieren die Mediziner die Fortschritte und verändern wenn notwendig die Anforderungen, die das Programm stellt. Schrittweise wird so das Schwierigkeitsniveau erhöht.
Zwischen fünf und sechs Grad erweiterte sich durch die Übungen am Computer der Bereich, indem die Probanden noch Dinge wahrnehmen konnten. "Das entspricht etwa der Größe einer A5-Seite, die mit ausgestrecktem Arm gehalten wird", sagt Dr. Kasten. Das mag auf den ersten Blick wenig erscheinen, doch schon eine Erweiterung des Blickfeldes um zwei Grad reicht aus, um wieder ein Buch oder eine Zeitung lesen zu können. Natürlich sind Therapieerfolge nicht bei jedem Patienten gleich, denn das Ausmaß der cerebralen Sehstörungen und die sie verursachenden Ausfälle von Nervenzellen in verschiedenen Teilen des Gehirns können von Mensch zu Mensch sehr verschieden sein.

Die Studie zeigte, daß Schädigungen entlang der Sehnerven sich durch Übungen etwas besser kompensieren lassen als Schädigungen von Nervenzellen in der sogenannten Sehrinde - einer Hirnregion im Hinterkopf, die für Bildverarbeitung im Gehirn sehr wichtig ist. Die Verbesserungen erklären die Wissenschaftler mit einer Reaktivierung von Nervenzellen in teilgeschädigten Hirnregionen. Um die nachgewiesenen Fortschritte zu erzielen, reichen etwa 15 Prozent der dort vorhandenen Zellen aus.

Der von den Krankenkassen geforderte wissenschaftliche Beleg der Wirksamkeit dieser Therapie wurde von den Unimitarbeitern erbracht. Für Professor Säbel und dessen Mitarbeiter ist es deshalb unverständlich, daß einige gesetzliche Krankenkassen sich gegen eine Kostenübernahme der Behandlung sperren, nochzumal das Training zu Hause auch noch kostengünstiger als die Aufenthalte in Rehabilitationseinrichtungen ist. Vielleicht, so die Hoffnung, bewirkt die heutige Veröffentlichung in einer der angesehensten internationalen Fachzeitschriften cm Umdenken.

Uwe Seidenfaden
 
 
Die Welt | 1. September 1998
Besseres Sehen nach Selbstreparatur verletzter Gehirne

Magdeburg - Für Patienten mit Sehstörungen nach schweren Schädelverletzungen oder nach einem Schlaganfall gibt es nach Angaben der Universität Magdeburg neue Hoffnung. Forschern am Institut für Medizinische Psychologie sei es weltweit erstmals gelungen, durch Hirnschäden hervorgerufene Sehstörungen teilweise zu beheben. Bislang wurden mehr als 100 Patienten behandelt. 19 Fälle wurden dokumentiert und in einer Studie verarbeitet. Bei 18 sei eine objektive Verbesserung der Sehfähigkeit festzustellen gewesen, erklärte Institutsdirektor Bernhard Sabel. "Bei den meisten ist eine Erweiterung des Gesichtsfeldes eingetreten. Manchen erleichtert dies das Lesen, andere können sich besser im Raum bewegen."

Für jeden der Hirngeschädigten haben die Mediziner ein individuelles Computer-Trainingsprogramm entwickelt, das genau angepaßte Übungen ermöglicht. Die Betroffenen sollen einen Fixpunkt in der Mitte eines Monitors ins Auge fassen. Dann leuchten darum herum weitere Punkte auf . Die Patienten sollen eine Taste drücken, sobald sie diese Punkte wahrnehmen. Mit dieser Methode ließen sich schwache Sehfelder ausmachen und gezielt trainieren. "Die Ergebnisse unterstreichen die enorme Reparaturfähigkeit des menschlichen Gehirns", so Sabel.

dpa
 
 
DeutschlandRadio Berlin | 1. September 1998 (online-newsletter)
 
Neue Lichtblicke für das Gehirn
Ein Trainingsprogramm verbessert die Sehfunktion nach Schlaganfällen

Medizin. - Neurowissenschaftler der Universität Magdeburg konnten jetzt zeigen, daß durch Übung die Sehleistung nach Schlaganfällen doch verbessert werden kann. Überraschenderweise spiele dabei die Länge des Zeitraums zwischen Vorfall und Training eine untergeordnete Rolle, so die Forscher.

Wissenschaftler des Instituts für medizinische Psychologie an der Universität Magdeburg konnten jetzt die lang bestehende Annahme widerlegen, daß bei Schlaganfällen einmal verlorene Sehfähigkeit nicht wiedererlangt werden kann. Dies meldet das US-amerikanische Journal "Nature Medicine" in seiner aktuellen Ausgabe. Mit Hilfe eines Computerprogramms trainierten die Mediziner etwa 300 Schlaganfall-Patienten auf eine Steigerung ihres Gesichtsfeldes.

Ein Schlaganfall ereignet sich, wenn ein Blutpfropf ein Hirngefäß verschließt. Die von der Ader versorgten Gehirnareale werden dabei von der lebenswichtigen Sauerstoffzufuhr abgeschnitten und sterben ab. In der Randzone zwischen totem und verschontem Gewebe überleben allerdings wichtige Neuronen, wie die Magdeburger Studie zeigt: "Gezieltes Training dieses Bereichs verkleinert die Gesichtsfeldverluste", berichtet Professor Bernhard Sabel vom Institut für medizinische Psychologie.

Dazu müssen die Probanden einen weißen Punkt auf einem ansonsten schwarzen Bildschirm fixieren, um ein möglichst gleichmäßiges Gesichtsfeld zu gewährleisten. Dann erzeugt das Programm Lichtblitze auf verschiedenen Stellen des Monitors, die vom Patienten mit einem Tastendruck bestätigt werden müssen. Der Clou der Software: Das Programm paßt seine Anforderungen an die Leistungen des Lernenden an - werden die Ergebnisse schlechter, so werden die Aufgaben leichter und umgekehrt.

Dabei kann die Sehfähigkeit bei Schlaganfällen in der Sehrinde auch nach Jahren noch gesteigert werden, sagt Sabel. Bei Verlusten im Sprach- oder Sprechzentrum verspricht dagegen nur ein schnelles Training Besserung. Im Durchschnitt wachse das trainierte Gesichtsfeld um etwa fünf Winkelgrad. Das entspricht etwa der halben Fläche eines DIN A4-Battes aus einer Entfernung einer Armlänge betrachtet.

Quellen: Martin Winkelheide, Bernhard Sabel
 
 
Ärzte Zeitung | 1. September 1998
 
Computertraining bei Sehstörungen meist erfolgreich

Halbsichtigkeit nach Trauma oder Schlaganfall / Ergebnisse des Magdeburger Übungsprogramms jetzt veröffentlicht

Magdeburg (eis). Mit einem Computer-Trainingsprogramm ist es Forschern der Universität Magdeburg gelungen, Sehstörungen bei Patienten nach Schädelhirntrauma oder Schlaganfall teilweise wieder zu beheben (wir haben kurz berichtet). Die Forscher haben ihre Studienergebnisse jetzt in der Zeitschrift "Nature Medicine" veröffentlicht.

Nach Hirnschädigungen tritt infolge von Traumata oder Schlaganfall häufig eine Hemianopsie auf, bei der typischerweise die eine Hälfte des Gesichtsfelds verlorengeht. Patienten mit dieser partiellen Erblindung galten bisher als nicht behandelbar. Es wurde angenommen, daß sich die für das Sehen notwendige neuronale Organisation nur während der frühen Hirnentwicklung ausbildet, wie die Wissenschaftler um Professor Bernhard Sabel aus Magdeburg erläutern.

Die Forscher von der Otto-von-Guericke-Universität haben nun untersucht, ob sich diese Organisation mit Hilfe eines Sehtrainings auf dem Computermonitor wiederherstellen läßt. Aufgenommen wurden in die Studie jeweils 19 Patienten mit Sehstörungen, und zwar infolge von Verletzungen des Nervus opticus oder infolge andere Hirnverletzungen.

Das Trainingsprogramm wurde dabei für die Patienten zunächst individuell adaptiert. Sie mußten einen Punkt in der Mitte eines Computermonitors fixieren. Um diesen herum leuchteten weiter Punkte auf. Die Patienten mußten dann eine Computertaste drücken, sobald sie diese Punkte wahrnehmen konnten. Auf diese Weise ließen sich schwache Sehfelder ausmachen und die Sehfähigkeit dort über ein halbes Jahr in einer Stunde täglich gezielt trainieren. Das Gesichtsfeld der Trainierten wurde dann mit dem von Patienten ohne ein solches Training verglichen.

Wie die Forscher berichten, profitierten 95 Prozent der Patienten von dem Training: So konnten die Patienten mit Hirnschädigung im vormals erblindeten Teil des Gesichtsfelds im Mittel 29,4 Prozent öfter optische Reize erkennen als Patienten ohne Training. Bei Sehnerv-Schädigung hätten die Trainierten im Vergleich zu Untrainierten sogar 73,6 Prozent häufiger optische Reize erkannt.

 
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